Kinderyoga & Gefühle: Wie Kinder mit Yoga ihre Emotionen verstehen und ausdrücken lernen
Gefühle.
In jeder Kita, in jeder Schule, in jeder Familie sind sie ständig präsent, manchmal ganz leise, manchmal laut, manchmal wie ein kleiner Sturm, der plötzlich aufzieht.
Und ganz ehrlich: Für Kinder sind diese Gefühle oft ein großes Abenteuer. Sie wissen manchmal gar nicht so genau, was da gerade in ihnen los ist. Und auch wir Erwachsenen sind nicht immer die besten Übersetzer.
Genau hier kommt Kinderyoga ins Spiel und bietet einen wunderschönen, spielerischen Weg, um mit Gefühlen umzugehen, sie zu benennen und besser zu verstehen.
Warum Gefühle im Kinderyoga so wichtig sind
Kinderyoga ist nicht nur Bewegung. Es ist auch eine Einladung, sich selbst zu spüren: mit allem, was gerade da ist.
Kinder lernen im Yoga:
- Alle Gefühle sind erlaubt.
- Es gibt Wege, mit ihnen umzugehen.
- Gefühle können sich verändern.
Das ist eine Erfahrung, die sie nicht nur im Kita- oder Schulalltag stärkt, sondern ein Leben lang begleitet.
Und genau das macht Kinderyoga zu einem echten Herzöffner: Kinder dürfen traurig, wütend, aufgeregt, fröhlich sein und sie dürfen all das in Bewegung und Atem ausdrücken.
Wie wir mit Kinderyoga Gefühle greifbar machen
Jetzt fragst du dich vielleicht:
„Ja, aber wie genau funktioniert das?“
Stell dir vor, du hast eine Gruppe Kinder und heute ist richtig viel los.
Manche sind aufgedreht, manche genervt, manche traurig.
Wenn wir einfach nur sagen: „Beruhigt euch bitte“ funktioniert das selten.
Mit Kinderyoga machen wir es anders: Wir holen die Kinder da ab, wo sie gerade stehen.
Beispiel: Die „Summende Biene“, wenn Wut oder Unruhe spürbar sind
Die Kinder legen ihre Hände auf die Ohren, atmen tief ein und summen dann wie eine Biene.
Das Vibrieren beruhigt das Nervensystem, die Ausatmung wird länger, der Kopf wird klarer.
Ganz nebenbei haben sie eine Methode gelernt, die sie auch in stressigen Momenten im Alltag einsetzen können.
Beispiel: Der „Baum der Dankbarkeit“, für Ruhe und Freude
Alle stehen fest wie ein Baum. Arme nach oben, wie Äste.
Jedes Kind darf sich innerlich für etwas bedanken: für einen schönen Moment, für einen Freund, für einen Sonnentag.
Diese Übung erdet und bringt gleichzeitig ein Gefühl von Wärme und Ruhe in die Gruppe.
Die Monsterkarten: Gefühle sichtbar machen
Manche Kinder können ihre Gefühle noch gar nicht benennen.
Hier helfen deine Monsterkarten wunderbar:
- Ein fröhliches Monster für Freude
- Ein blaues, ruhiges Monster für Gelassenheit
- Ein rotes, zorniges Monster für Wut
- Ein grünes, ängstliches Monster für Unsicherheit
Kinder lieben es, ihr „Monster des Tages“ auszusuchen. Und du kannst es wunderbar mit kleinen Yogaübungen verbinden. Manchmal kann man in so einem Monsterchen mehrere Gefühle sehen und hineindeuten. Und das ist auch gut so, wir müssen nicht ganz spezifisch alles erkunden.
Was, wenn Kinder ihre Gefühle nicht benennen wollen?
Das passiert oft – und ist völlig normal.
Hier hilft: Beobachten statt drängen.
Manche Kinder schauen sich erst einmal an, was die anderen machen.
Vielleicht nehmen sie ein Monster in die Hand oder machen die Bewegung nur ganz leise mit.
Das ist völlig in Ordnung, in unserer Art von Kinderyoga gilt: Alles kann, nichts muss.
Und wenn die Gruppe zu albern wird?
Oh ja, das kennen wir alle!
Plötzlich ist die Biene „mega laut“, der Baum wackelt wie im Sturm und es wird gekichert.
Tipp: Mitgehen statt abbrechen.
Erlaub der Gruppe kurz, die Energie rauszulassen und leite dann in eine ruhigere Version über.
Zum Beispiel:
„Jetzt summen wir wie ganz kleine, müde Bienen…“
So nutzt du die Energie, ohne sie zu blockieren.
Warum das für pädagogische Fachkräfte so wertvoll ist
Kinderyoga gibt dir ein Werkzeug, das nicht nur für die Kinder wirkt, sondern auch für dich selbst:
- Du bekommst kleine Methoden, um Unruhe aufzufangen.
- Du erlebst, wie Kinder sich selbst beruhigen können. Ohne, dass du ständig „eingreifen“ musst.
- Du stärkst die Kinder langfristig in ihrer Selbstwahrnehmung.
Viele unserer Teilnehmerinnen berichten, dass gerade die Arbeit mit Gefühlen im Kinderyoga ein echter Gamechanger in ihrer pädagogischen Arbeit ist.
Kinderyoga bei Wut: Kraft in Bahnen lenken
Wut ist für Kinder oft wie ein Vulkan: Sie steigt hoch, ist heiß und plötzlich explodiert sie.
Im Alltag reagieren wir Erwachsene schnell mit „Beruhig dich!“, doch das nimmt Kindern selten wirklich die Wucht ihrer Emotion.
Im Kinderyoga nutzen wir Wut als Energiequelle und zeigen, wie man sie kontrolliert ausdrücken kann.
Yogaübungen für Wut
- Der Löwe: Auf die Knie setzen, Hände auf die Oberschenkel, tief einatmen und mit herausgestreckter Zunge laut „HA!“ rufen. Das baut Druck ab.
- Stampfender Elefant: Fest im Stand, ein Bein nach dem anderen aufstampfen. So kommt die Wut raus und die Kinder spüren ihre Kraft.
- Die summende Biene: Wie oben beschrieben: perfekt, um nach dem Auspowern wieder Ruhe zu finden.
👉 Pädagogischer Effekt: Kinder lernen, dass Wut nichts Schlechtes ist, aber sie Wege haben, sie zu „entladen“, ohne andere zu verletzen.
Kinderyoga bei Angst: Sicherheit und Vertrauen spüren
Ängste gehören zur Kindheit, ob Dunkelheit, Trennung oder Neues. Angst engt den Atem ein und lässt Kinder klein werden. Im Kinderyoga öffnen wir Raum für Vertrauen.
Yogaübungen für Angst
- Der sichere Berg: Fester Stand, beide Füße am Boden, Arme locker. Kinder stellen sich vor: „Ich bin stark wie ein Berg. Nichts bringt mich ins Wanken.“
- Herz-Atmung: Hände aufs Herz, tief ein- und ausatmen, dabei den eigenen Herzschlag spüren. Das schenkt Geborgenheit.
- Schutz-Kokon: Kinder setzen sich zusammen, legen die Arme wie Flügel um sich. „Mein sicherer Platz“.
👉 Pädagogischer Effekt: Kinder lernen, dass Angst ein Gefühl ist, das kommt und geht und dass sie sich selbst beruhigen können.
Kinderyoga bei Traurigkeit: Gefühle fließen lassen
Manchmal sind Kinder traurig, wegen einer Kleinigkeit oder weil sie etwas tief bewegt. Oft fehlt ihnen ein Ventil, um diese Trauer auszudrücken.
Yogaübungen für Traurigkeit
- Regenbogen-Atmung: Arme hoch wie ein Regenbogen, tief einatmen. Arme langsam sinken lassen und seufzend ausatmen.
- Tränenfluss: Im Schneidersitz sanft nach vorne beugen, Stirn ablegen, Arme locker. So können Kinder „loslassen“.
- Sonnenaufgang: Vom Hocken langsam aufstehen, Arme zur Sonne strecken, als Zeichen, dass nach jedem Regen wieder Sonne kommt.
👉 Pädagogischer Effekt: Kinder spüren, dass Traurigkeit nicht weggedrückt werden muss, sondern sich verwandeln darf.
Kinderyoga für Freude & Dankbarkeit: Positive Gefühle stärken
Freude ist ansteckend – und Dankbarkeit bringt Ruhe und Verbundenheit. Beides verstärken wir im Kinderyoga bewusst.
Yogaübungen für Freude & Dankbarkeit
- Der Baum der Dankbarkeit: Wie oben beschrieben: Kinder nennen innerlich, wofür sie dankbar sind.
- Freude-Sprung: Hände aufs Herz, dann hochspringen und rufen: „Ich freue mich!“ Perfekt, um positive Energie in der Gruppe zu verbreiten.
- Partner-Übung „Sonne schenken“: Zwei Kinder schauen sich an, strecken die Arme aus und „schieben“ sich symbolisch Licht und Wärme zu.
👉 Pädagogischer Effekt: Kinder lernen, Glücksmomente bewusst wahrzunehmen und Dankbarkeit als kleine tägliche Kraftquelle zu nutzen.
Fazit: Gefühle dürfen da sein und Kinderyoga gibt ihnen einen sicheren Raum
Ob Wut, Freude, Angst oder Aufregung. Kinderyoga gibt Kindern Wege, mit all dem umzugehen.
Und wenn sie lernen, ihre eigenen Gefühle zu spüren und zu verstehen, dann ist das eine Fähigkeit, die sie ein Leben lang begleitet.
👉 Tipp zum Schluss:
In unseren imFLUSSsein-Weiterbildungen bekommst du nicht nur die passenden Übungen, sondern auch komplette Stundenbilder, in denen auch das Thema „Gefühle“ fest verankert ist – inklusive Ideen für den Kita-Alltag, die Schule oder deine eigenen Kurse. Hier kannst du das passende Format für dich raussuchen.
Lass uns Kinder stärken – und dabei selbst wachsen.
Starke Wurzeln für eine starke Zukunft.

Interessant? – Und nun möchtest du schon einmal wissen, wie ein prägnates Ritual der Kinderyogastunde funktioniert? Dann schau dir diesen Blogbeitrag an und du findest die Anleitung zum Kinderyoga Sonnengruß.
P.S.: Wir haben in diesem Text (und auf vielen anderen imFLUSSsein Seiten) bewusst auf das Gendern verzichtet. Wir haben 99% weibliche Kunden. Zur besseren Lesbarkeit nutzen wir meist die weibliche Form! Wir bitten um Verständnis!