Wie wir Kinder verstehen und mit Kinderyoga stärken
Kinderyoga mit lerntherapeutischem Ansatz: Selbstwahrnehmung und Körperwahrnehmung für Kinder im Alltag stärken
Kennst du das? Das Spiel ist zu Ende, jemand hat gewonnen, und innerhalb von Sekunden bricht ein Kind komplett zusammen. Es weint, schreit, wirft vielleicht die Spielfiguren durch den Raum und egal was du sagst oder tust, du kommst an dieses Kind gerade einfach nicht ran.
Du erklärst, du tröstest, du versuchst Grenzen zu setzen und trotzdem hat man das Gefühl, gegen eine Wand zu reden.
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du wirklich nicht allein damit.
Diesen Moment kennen fast alle Erzieherinnen und pädagogischen Fachkräfte, die regelmäßig mit Kindern zusammen sind und viele fragen sich irgendwann, was da eigentlich wirklich passiert und ob es etwas gibt, das wirklich hilft.
Genau darum geht es hier.
Ich möchte gemeinsam mit dir einen Blick dahinter werfen, weil ich glaube, dass allein das Verstehen schon etwas verändert, und weil es eine ganz einfache Kinderyoga Übung gibt, die du sofort mitnehmen und in deinem Alltag mit Kindern ausprobieren kannst.
Warum Kinder nicht verlieren können: Was wirklich dahintersteckt
Als Erwachsene haben wir irgendwann gelernt, mit Niederlagen umzugehen, auch wenn uns das nicht immer leichtfällt. Wir haben einen gewissen Abstand dazu entwickelt, wir wissen, dass ein verlorenes Spiel nicht bedeutet, dass wir als Menschen versagt haben.
Für Kinder ist das noch ganz anders, weil ihr Selbstbild noch vollständig im Aufbau ist und eine Niederlage dieses noch zarte Selbstbild direkt trifft.
Wenn ein Kind verliert, bedeutet das für dieses Kind in diesem Moment: Ich bin nicht gut genug, ich habe versagt, die anderen sind besser als ich. Und das ist kein kleiner Gedanke, der schnell wieder geht, das ist ein echter Einschlag, der den ganzen Körper trifft.
Und das meine ich wirklich wortwörtlich, weil das Nervensystem eines Kindes in solchen Momenten nicht unterscheidet, ob gerade eine körperliche Bedrohung da ist oder eine emotionale Niederlage. Es reagiert einfach, es schüttet Stresshormone aus, der Herzschlag steigt, die Muskeln spannen sich an, der Körper geht in einen Alarmzustand, weil er glaubt, dass gerade etwas Gefährliches passiert.
Das ist keine Überreaktion und kein schlechtes Benehmen. Das ist Biologie. Und wenn wir das wirklich verinnerlichen, verändert sich auch, wie wir auf diese Kinder schauen.
Das kindliche Nervensystem verstehen: Warum Trösten und Erklären oft nicht ankommen
Das erklärt auch, warum das Erklären und Trösten in solchen Momenten so oft ins Leere läuft und ich glaube, viele von uns haben das schon gespürt, auch wenn man es nicht genau benennen konnte.
Der Teil des Gehirns, der für rationales Denken und das Regulieren von Gefühlen zuständig ist, der sogenannte präfrontale Kortex, ist bei Kindern noch sehr unreif und entwickelt sich tatsächlich bis weit ins Erwachsenenalter hinein.
Wenn die Gefühle hochkochen und das Nervensystem in diesen Alarmzustand geht, ist dieser Teil des Gehirns einfach nicht verfügbar und der Körper reagiert, bevor der Kopf überhaupt eine Chance hatte.
Was wir also von außen als Ausbruch sehen, ist von innen ein Kind, das gerade von seinen eigenen Gefühlen überwältigt wird und das wirklich nicht weiß, wie es damit umgehen soll. Es will sich nicht schlecht benehmen. Es kann sich in diesem Moment einfach nicht anders helfen.
Worte erreichen ein Kind in diesem Zustand kaum, weil das Gehirn buchstäblich nicht zugänglich ist für Erklärungen und Argumente und das ist wichtig zu wissen, weil es uns zeigt, dass wir an einem anderen Punkt ansetzen müssen. In den ruhigen Momenten des Alltags und genau da kann Kinderyoga für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte wirklich etwas bewegen.
Selbstwahrnehmung bei Kindern stärken: Der Schlüssel zu mehr Emotionsregulation
Jetzt gibt es etwas, das mir in meiner Arbeit als Lerntherapeutin und Kinderyoga-Expertin wirklich wichtig geworden ist, weil es so viel erklärt, nämlich warum manche Kinder in schwierigen Momenten leichter damit umgehen können als andere.
Es liegt nicht daran, dass diese Kinder keine starken Gefühle haben, es liegt daran, dass sie ihre Gefühle früher wahrnehmen. Sie spüren, dass da etwas Großes hochkommt, ein großes Gefühl entsteht, das Kribbeln im Bauch, die Enge in der Brust, die Anspannung in den Schultern und weil sie das wahrnehmen, haben sie manchmal noch einen kleinen Moment, bevor die Welle sie überwältigt.
Kinder, die sich selbst wenig spüren, werden dagegen regelrecht überrollt, weil der Ausbruch schon da ist, bevor sie überhaupt gemerkt haben, dass er auf dem Weg war. Ich stelle mir das manchmal wie einen Zug vor, der sich nähert: Wer ihn früh hört, kann noch zur Seite treten, wer ihn erst bemerkt, wenn er schon da ist, hat keine Chance mehr.
Das ist keine Frage des Charakters oder des Willens, es ist eine Frage der Selbstwahrnehmung, also der Fähigkeit, den eigenen Körper und die eigenen Gefühle wahrzunehmen.
Und das Schöne daran ist wirklich, dass diese Fähigkeit erlernbar ist, dass wir dabei helfen können, mit ganz einfachen Kinderyoga Übungen, die in jeden Alltag in Kita und Schule passen. (Übrigens auch für Zuhause mit dem eigenen Kind 😉 ).
Körperwahrnehmung bei Kindern fördern: Warum manche Kinder sich weniger spüren
Ich möchte noch kurz darauf eingehen, warum das so unterschiedlich ist, weil es hilft, diese Kinder wirklich zu verstehen, ohne sie oder ihre Familien zu bewerten.
Manche Kinder hatten einfach weniger Gelegenheit, ihren Körper wirklich zu erleben, weniger freies Bewegen draußen, weniger körperliche Nähe, mehr Zeit mit Bildschirmen, mehr strukturierte Abläufe ohne Raum dafür, einfach mal zu spüren, wie sich der eigene Körper anfühlt.
Körperwahrnehmung bei Kindern zu fördern ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben, die wir als pädagogische Fachkräfte haben und Kinderyoga bietet dafür einen wunderbaren, spielerischen Rahmen.
Wenn ein Kind also nicht verlieren kann, ist das für mich immer ein Hinweis, kein Vorwurf und keine Diagnose, ein Hinweis darauf, dass dieses Kind Unterstützung braucht dabei, sich selbst besser kennenzulernen und einen Zugang zu seinen eigenen Gefühlen zu finden. Genau das ist es, was wir mit Kinderyoga und einem lerntherapeutischen Ansatz gezielt unterstützen können.
Kinderyoga für Erzieherinnen: Warum dieser Ansatz so wirkungsvoll ist
Im Kinderyoga mit lerntherapeutischem Ansatz, so wie ich es in meinen Kinderyoga Weiterbildungen und in meiner Arbeit mit Kindern einsetze, geht es immer wieder um dieselbe Einladung:
Spür mal hin. Was nimmst du wahr? Was passiert gerade in dir?
Diese Fragen klingen einfach, und in gewisser Weise sind sie das auch, aber was sie mit der Zeit auslösen, ist wirklich erstaunlich. Kinder, die regelmäßig üben hinzuspüren, entwickeln nach und nach einen echten Zugang zu sich selbst, sie beginnen, ihre Gefühle früher wahrzunehmen, sie haben mehr Zeit zu reagieren, bevor die Welle kommt, und das verändert nicht nur, wie sie mit Verlieren umgehen, es verändert, wie sie generell mit schwierigen Momenten umgehen.
Kinderyoga für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte bedeutet deshalb nicht nur, ein paar Übungen zu kennen und anzuleiten. Es bedeutet, einen Blick auf Kinder zu entwickeln, der tiefer geht und der das, was Kinder zeigen, wirklich versteht.
Kinderyoga Übung für den Alltag in Kita und Schule: Das Gefühlsspiel
Ich möchte dir jetzt eine Kinderyoga Übung mitgeben, die ich das Gefühlsspiel nenne und die ich wirklich sehr liebe, weil sie so unkompliziert ist und sich so leicht in jeden Alltag in Kita und Schule einfügen lässt.
Du setzt dich mit den Kindern zusammen, am liebsten auf dem Boden im Kreis, damit jeder seinen Platz hat und alle sich sehen können, und dann sagst du ganz entspannt: Wir spielen heute das Gefühlsspiel, ich nenne eine Situation und ihr zeigt mir mit eurem Körper, wie sich das anfühlt.
Dann nennst du eine Situation, zum Beispiel: Stell dir vor, du hast gerade gewonnen. Oder: Dein Lieblingsessen wartet auf dich. Oder: Dein bester Freund kommt heute zu Besuch.
Und dann gibst du den Kindern wirklich einen Moment, ein kurzes Innehalten, ein Nachspüren lassen und dann fragst du: Was spürst du gerade in deinem Körper, wo spürst du das, zeig mir mal.
Dann nennst du die nächste Situation: Stell dir vor, du hast verloren. Oder: Dein Lieblingsspielzeug ist kaputt. Oder: Jemand hat dir heute etwas weggenommen, das dir wichtig ist. Wieder nachspüren lassen, fragen, zeigen.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Es gibt kein Richtig und kein Falsch, keine guten und keine schlechten Gefühle, wirklich nur die Frage, was du gerade wahrnimmst.
Du wirst wirklich überrascht sein, was Kinder anfangen zu beschreiben, wenn man ihnen diesen Raum gibt.
Je öfter du diese Kinderyoga Übung im Alltag einsetzt, desto natürlicher wird es für die Kinder, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu benennen und irgendwann kommt dann ein Moment, den man wirklich erleben muss: Ein Kind kommt nach einem verlorenen Spiel zu dir, es ist traurig, aber es ist nicht explodiert und es zeigt auf seinen Bauch und sagt: Ich spür das gerade hier. Und man merkt, dass sich wirklich etwas verändert hat.
Kinderyoga Weiterbildung: Was diese Arbeit auch mit dir macht
Diese Arbeit verändert nicht nur die Kinder. Wer sich, auch wenn es augenscheinlich für die Kinder ist, mit Achtsamkeit und Körperwahrnehmung und dem Spüren von Gefühlen beschäftigt, der merkt das irgendwann auch bei sich selbst, ganz sanft schleicht es sich ein, ganz allmählich. Du fängst an, anders hinzuschauen, auf die Kinder, aber auch auf dich selbst, du wirst in Momenten ruhiger, die dich früher wirklich aus der Bahn geworfen hätten und du nimmst Dinge wahr, die du vorher einfach übersehen hättest.
Das höre ich von fast jeder Fachkraft, die eine Kinderyoga Weiterbildung bei mir macht und es ist für mich persönlich das Schönste an dieser Arbeit: Dass wir dabei nicht nur für die Kinder da sind, sondern irgendwie auch immer ein bisschen für uns selbst.
Fazit: Kinder verstehen und mit Kinderyoga stärken
Wenn ein Kind nicht verlieren kann, steckt dahinter kein schlechtes Benehmen und keine schlechte Erziehung, dahinter steckt ein Nervensystem, das noch lernt, mit großen Gefühlen umzugehen und ein Körper, der noch dabei ist, sich selbst kennenzulernen.
Und wir können dabei helfen. Mit Kinderyoga, mit Körperwahrnehmungsübungen, mit ganz kleinen Momenten im Alltag in Kita und Schule, die Kindern zeigen: Da ist ein Körper und er gehört dir und du kannst lernen, auf ihn zu hören.
Das braucht Zeit und Geduld und Wiederholung, aber es wirkt und es verändert nicht nur die Kinder, es verändert auch uns.
Kinderyoga Weiterbildung für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte
Wenn du solche Übungen regelmäßig in deinen Alltag mit Kindern integrieren möchtest und verstehen willst, wie Kinderyoga mit lerntherapeutischem Ansatz wirklich funktioniert, dann schau dir meine Kinderyoga Weiterbildungen an. Für Erzieherinnen, pädagogische Fachkräfte und alle, die mit Kindern arbeiten oder Kinderyoga unterrichten möchten.
Interessant? – Und nun möchtest du schon einmal wissen, wie ein prägnates Ritual der Kinderyogastunde funktioniert? Dann schau dir diesen Blogbeitrag an und du findest die Anleitung zum Kinderyoga Sonnengruß.
P.S.: Wir haben in diesem Text (und auf vielen anderen imFLUSSsein Seiten) bewusst auf das Gendern verzichtet. Wir haben 99% weibliche Kunden. Zur besseren Lesbarkeit nutzen wir meist die weibliche Form! Wir bitten um Verständnis!
